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Interview vom 12.11.2007 Quelle: http://www.andi-birnbacher.de
PRIVATES
Was sind deine persönlichen Zielvorstellungen für das laufende Jahr / die kommende Saison? Andi: Ich würde gerne in die Top-Ten der Biathleten aufsteigen.
Wie stellst du dir dein Leben in zehn Jahren vor? Partner? Kinder? Beruf? Deine Vorstellungen / Wünsche. Andi: In zehn Jahren werden sicher viele Entscheidungen anstehen. Ich würde gerne so lange noch meinen Sport ausüben. Ansonsten wünsche ich mir eine Familie zu gründen und ein eigenes Haus zu kaufen.
Bemühst du dich dein Privatleben aus dem beruflichen Kontext herauszuhalten? Andi: Ja, ich finde Sport und Privatleben sollten unbedingt getrennt werden. Ich versuch alles Private so gut wie möglich aus den Medien herauszuhalten.
Du stehst unweigerlich im Fokus der Öffentlichkeit. Wie gehst du mit dieser zusätzlichen Belastung um? Andi: Ich versuche keine Belastung daraus zu machen.
Sportler werden zunehmend zu Medienpersönlichkeiten? Was hältst du von dieser Entwicklung? Andi: Eigentlich war es doch schon immer so. Erfolgreiche Athleten standen schon immer im Mittelpunkt des Medieninteresses. Ich sehe da keine Veränderung.
Genießt du es eine öffentliche Person zu sein oder ist dir das eher unangenehm? Andi: Das ist schwer zu sagen. Teils, teils. Manchmal ist es schon etwas komisch. Viele Leute haben auch Vorurteile, sie urteilen über dich, bevor sie dich kennen gelernt haben. Das ist die negative Seite. Aber auf der anderen Seite ist es auch sehr schön, Unterstützung von den Fans zu erhalten. Hauptsache alles bleibt im Rahmen.
Wie wichtig ist die Familie / sind Freunde für dich? Unterstützen sie dich? Andi: Mir sind Freunde und Familie total wichtig. Sie unterstützen mich sehr.
Wie ist das Verhältnis zu deinem kleinen Bruder? Andi: Er interessiert sich total für meine Pokale und freut sich immer riesig, wenn ich ihm mal einen abgebe. Er schaut schon zu mir auf, das ist ein gutes Gefühl. Ansonsten haben wir aber natürlich sehr unterschiedliche Interessen, immerhin liegen 18 Jahre Altersunterschied zwischen uns. Aber wir haben immer viel Spaß zusammen.
Wie gelingt es dir berufliche Anforderungen, Familie, Freunde und Freizeit zu vereinbaren? Andi: Ich versuche immer das Bestmögliche herauszuholen. Wenn ich daheim bin, verbringe ich die Zeit mit meiner Familie und treffe mich viel mit meinen Freunden. Ich versuche einfach, die wenige Zeit die bleibt, intensiv zu nutzen.
Wie gehst du mit Niederlagen um? Andi: Meist ärgere ich mich eine kurze Zeit, aber dann verdränge ich die Gedanken auch wieder. Dann versuche ich abzuschalten und mich ganz auf kommende Aufgaben zu konzentrieren. Außerdem versuche ich natürlich aus meinen Fehlern zu lernen und mich zu verbessern.
Welchen Stellenwert haben Geld und Ruhm für dich? Andi: Ruhm ist mir persönlich nicht so wichtig. Aber Geld will jeder haben. Ich lebe jetzt nicht wie der "König in Frankreich", ich denke da mehr an meine Vorsorge. Als Sportler habe ich auf eine normale berufliche Laufbahn verzichtet. Ich möchte auch nach meiner aktiven Zeit noch abgesichert sein. Ich denke da eher langfristig. Wenn ich Geld verdiene, gebe ich es nicht sofort aus, sondern spare es für später. Ich gehe im Urlaub auch mal zelten, ich bin da ein sehr genügsamer Mensch. Aber meine Vorsorge für die Zeit nach dem Sport ist für mich ein wichtiges Thema.
Was ist die das Wichtigste in deinem Leben? Andi: Für mich ist die Gesundheit das wichtigste Gut im Leben.
Was gefällt dir an dir am besten? Andi: Meine Geradlinigkeit.
Was ist deine größte Schwäche? Andi: Ich bin leider ziemlich schlampig.
Wo liegen deine sportlichen Stärken? Andi: Ich schieße ziemlich schnell. Und ich habe allgemein einen ziemlich schnellen Ablauf.
Was sagen andere über deine Stärken? Andi: Die meisten finden, ich habe einen starken Willen. Und meine Nervenstärke zeichnet mich aus. Talent wird mir auch nachgesagt (lacht)
Als Kind wollte ich immer sein wie… Andi: Ich wollte eigentlich jeden Tag etwas anderes werden. Das hat ständig gewechselt. Ich kann mich da an nichts Spezielles erinnern.
Wie kannst du am besten entspannen? Andi: Ich entspanne am besten beim Angeln. Da komme ich richtig runter und finde meine innere Ruhe wieder. Und es gibt nichts Schöneres, als zum Nachmittagstraining mit dem Rad zum Taubensee zu fahren oder zu joggen, dort eine Runde zu schwimmen und sich anschließend in die Sonne zu legen. Das ist herrlich.
Als Hobby hast du das Hochseefischen genannt. Erzähl doch einmal mehr darüber. Andi: Ich fische seit ich ein kleiner Junge bin. Bisher hatte ich leider noch keinen Zeit meine Prüfung abzulegen, da die Prüfungen immer im Winter sind. Wenn ich den Schein irgendwann einmal habe, ist es einer meiner größten Träume, einmal zum Hochseefischen zu gehen. So richtig mit Haien und so. Das reizt mich wahnsinnig.
Bei einem Biathleten liegt die Frage nach dem "Jagen" nahe. Interessierst du dich dafür? Andi: Meine Onkel sind Berufsjäger, aber mich persönlich verbindet nichts mit der Jagd.
Was ist für dich eine Versuchung? Andi: Die größte Versuchung ist es, wenn mich meine Kumpels anrufen, ob ich noch mit weggehe. Da kann ich selten nein sagen.
Bist du eher ein Sommer-, oder eher ein Wintertyp? Andi: Ich bevorzuge definitiv den Sommer. Da ist es länger hell. Ich fahre auch eher zum Baden in den Urlaub, als nach Skandinavien.
Was war dein letzter Lustkauf? Andi: Ich habe mir einen Audi S3 gekauft. Aber das ist auch schon wieder einige Zeit her. Ansonsten sind es eher Kleinigkeiten, die ich mir spontan kaufe, weil sie mir gefallen, wie eine Angel oder meine Kaffeemaschine. Aber an sich bin ich kein großer Spontankäufer, ich spare mein Geld meistens.
Welche Vorbilder hast du? Andi: Ich habe keine direkten Vorbilder. Ich bewundere viele Sportler aus den unterschiedlichsten Sportarten. Michi Greis aber hat mich bei den Olympischen Spielen zum Beispiel sehr beeindruckt. Auch Björndalen hat unglaublich viel erreicht. Ansonsten schaue ich aber eher auf mich selbst und möchte mich auf meine eigene Leistung konzentrieren. Dennoch habe ich großen Respekt vor den Leistungen anderer Sportler.
Wenn du einen Tag mit jemandem tauschen könntest, wer wäre das? Andi: Ich denke, das wäre Kimi Raikkoennen. Aber nur, wenn ich dann auch seinen Formel1-Wagen mal fahren darf. Ich interessiere mich total für schnelle Autos.
Was kannst du besonders gut kochen? Andi: Ja eigentlich fallen mir da nur Weißwürste ein. Aber ich bin auch ein fantastischer Griller. Ich stehe lieber am Grill als am Herd, das kann ich gut.
Was wäre deine Henkersmahlzeit? Andi: Ein riesen Steak.
Wer ist dein Lieblingsschauspieler / deine Lieblingsschauspielerin? Andi: Meine Lieblingsschauspielerin ist Cameron Diaz. Lieblingsschauspieler habe ich eigentlich viele. Russell Crowe zum Beispiel oder Tom Cruise. Adam Sandler finde ich auch sehr lustig.
Wo zappst du im TV weiter, wo bleibst du hängen? Andi: Hängen bleib ich auf jeden Fall bei Poker-Spielen. Ansonsten schaue ich eher lustige Sachen, wie "Upps…die Superpannenschow" oder ähnliche Formate. Wegzappen würde ich bei Talk-Shows oder diesen Richtersendungen. So etwas schaue ich mir nicht an.
An wen würdest du einen Orden verleihen, wenn du könntest. Andi: Den Orden würde von mir definitiv der Erfinder des Rads bekommen.
Welchen drei Leuten hast du in deiner Karriere am meisten zu verdanken? Andi: Ich würde sagen, das sind meine Familie und mein Trainer Fritz Fischer.
POLITIK / KULTUR / LITERATUR / MUSIK
Faszinieren dich andere Länder / Sitten? Andi: Ja, mich faszinieren auch viele andere Länder. Mein Traum wäre es jedoch, einmal zum Hochseefischen zu fahren.
Du kommst viel in der Welt herum. Wie interessiert bist du an fremden Kulturen? Nutzt du die Chance sie kennen zulernen? Andi: Während der Wettkampfphase bleibt uns meist keine Zeit uns etwas anzusehen. Oftmals sehen wir nur den Flughafen, unser Hotel und die Wettkampfanlagen. Dadurch habe ich mir bisher leider noch nicht viel ansehen können.
Engagierst du dich in der Politik? Andi: Nein, ich engagiere mich nicht in der Politik.
Welche Musik bevorzugst du? Andi: Ich höre eigentlich alles Querbeet. Pop und Rock, alles was gerade angesagt ist. Genauso häufig wechseln auch mein Lieblingssongs oder meine Lieblingsbands.
Liest du gern? Wenn ja, was? (Autoren, Genre) Ich lese sehr gern Autozeitschriften, nicht aus Langeweile, sondern weil mich Autos sehr interessieren. Das letzte Buch, das ich gelesen habe, war "Illuminati" von Dan Brown.
Gehst du öfter ins Kino/ Theater? Welche Filme / Aufführungen (Genre) bevorzugst du? Andi: Ich gehe öfters mit Freunden ins Kino. Meist schauen wir Komödien oder Actionfilme. Auch Mysterie- und Gruselfilme mag ich. Nur Science-Fiction schaue ich mir nicht an.
Was hältst du von Aktiv-Urlaub? Welche Sportarten würdest du da gern einmal austesten? Welche hast du vielleicht schon selbst "probiert"? Andi: Aktiv-Urlaub finde ich super. Ich würde gerne mal mit einem Kajak oder einem Faltboot "Inselhopping" machen. Irgendwo in Thailand oder Kroatien. Das wäre klasse.
SPEZIELLES / SPORT
Wie lange betreibst du deinen Sport jetzt schon? Andi: Biathlon mache ich seit 1996, also elf Jahre.
Wie bist du zum Biathlon gekommen? Andi: Zum Biathlon bin ich durch meinen Trainer Fritz Fischer, einem Bundeswehrfreund von meinem Vater, gekommen. Ich habe dann direkt mit 15 Jahren mit Biathlon angefangen. Das ist bei den meisten Biathleten so. Die wenigsten kommen aus anderen Sportarten und wechseln dann zum Biathlon.
Wann hast du erkannt, dass du Profi-Biathlet werden möchtest? Andi: Ich habe erst mit 15 Jahren mit dem Biathlon angefangen und bereits mit 16 Jahren die ersten Siege im Deutschlandpokal eingefahren. Das war wie ein Schlüsselerlebnis. Von da an war für mich eigentlich klar, dass ich den Sport gern hauptberuflich machen möchte.
Wie oft trainierst du in der Woche? Andi: Ich habe jede Woche von Montag bis Samstag Training. Von Montag bis Freitag trainiere ich zweimal am Tag, am Samstag habe ich eine Trainingseinheit und Sonntag ist zur Regeneration frei.
Sicher ist nicht jeder Trainingstag gleich. Aber wie sieht ein durchschnittlicher Trainingstag bei dir aus? Andi: Ich stehe gegen 6.30 Uhr auf, esse etwas und dann fahre ich zum Training. 8 Uhr beginnt das Training. Erst einmal stehen circa zehn Minuten Haltetraining auf dem Programm, dann Anschießen und Zentrieren. Im Frühjahr trainieren wir mehr Grundlagenschießen, im Winter steht dann mehr "Hektik-Training" unter Belastung auf dem Programm. Gegen 12 Uhr gibt es Mittagessen. Ab 15 Uhr steht dann die zweite Trainingseinheit an. Die geht meist bis 17 oder 18 Uhr. Anschließend fahre ich heim, mache mir noch etwas zu Essen und lege mich zum entspannen auf die Couch und schaue noch etwas fern.
Jahr für Jahr Kilometer machen. Das ist auf Dauer anstrengend. Hast du manchmal einfach keine Lust mehr? Andi: Wenn draußen schlechtes Wetter ist, hat man schon mal keine Lust. Aber dann führe ich mir immer meine Ziele vor Augen. Das motiviert mich immer weiter zu machen.
Was motiviert dich Leistung zu bringen? Andi: Ich halte mir immer meine Ziele vor Augen. Ich möchte erfolgreich sein in meinem Sport und das geht nur, wenn ich meine Leistung erbringe. Und für diese Leistung muss man kämpfen und durchhalten. Aufgeben zählt nicht.
Was bedeutet das Leben abseits des Sports für dich? Hat sich das über die Jahre geändert? Andi: Ich bin viel unterwegs, da bleibt nicht viel Zeit abseits des Sports. Aber wenn ich ein wenig frei habe, versuche ich meine innere Ruhe zu finden. Zum Ausgleich treffe ich mich dann gern mit Freunden zu einer Runde Poker.
Viele Fans drücken dir bei deinen Wettkämpfen die Daumen. Was bedeutet dir das? Hilft es dir irgendwie? Andi: Mir bedeutet die Unterstützung meiner Fans sehr viel. Sie wollen mir ja nichts böses, aber manchmal kann einen das alles auch ganz schön unter Druck setzen. Sie erhoffen sich ja auch Erfolge. Aber ich freu mich immer, wenn mein Fanclub vor Ort ist und mich anfeuert. Meine Fanpost bearbeite ich deshalb auch selbst. Ich möchte den Fans damit gern etwas für ihre Unterstützung zurückgeben, auch wenn an extremen Tagen mal 100 Autogrammwünsche im Briefkasten liegen.
Was planst du nach dem Sport zu machen? Andi: Ich bin mir noch nicht sicher, was ich nach meiner aktiven Zeit machen möchte. Ich denke, das entscheide ich, wenn der Zeitpunkt gekommen ist.
Wenn du deine Gefühlswelt kurz vor einem Wettkampf mit einem Wort beschreiben müsstest, welches wäre das? Andi: Aufgeregt. Kurz vor dem Wettkampf steh ich total unter Adrenalin, alles läuft wie im Film ab. Bei Saisonhöhepunkten bin ich vielleicht sogar noch einen Tick aufgeregter, aber im Prinzip ist es vor jedem Wettkampf gleich aufregend.
Man sagt, Sportler hätten es leichter eine neue Sportart zu erlernen. Betreibst du noch andere Sportarten (als Hobby)? Andi: Ich gehe so oft es geht Rad fahren. Rennrad oder Mountainbiking. Außerdem bin ich total gern mit dem Kajak unterwegs.
Was hältst du von neuen Formen des Biathlons? Sollten sie kommen? Andi: Ich finde die deutsche Meisterschaft im Sommer ist ausreichend. Ein SommerGrandPrix wie er in anderen Sportarten stattfindet wäre sinnlos. Ich denke die besten Athleten würden diese Wettkämpfe aus Zeitmangel auslassen und sich lieber auf ihr kontinuierliches Training konzentrieren.
Welche Lieblingsdisziplin und Wettkampforte hast du? Andi: Ich persönlich mag den Massenstart am liebsten. Bei den Wettkampforten habe ich keinen wirklichen, der mir auf Grund des Profils oder so am meisten zusagen würde. Aber ich bin natürlich gern in meiner Heimat unterwegs, also würde ich sagen Antholz oder Ruhpolding sind mir am liebsten.
In den letzten Jahren hat eine Zäsur im Biathlonsport stattgefunden. Viele bekannte Gesichter haben aufgehört. Wie siehst du diesen Wandel, auch in Hinsicht auf das Mannschaftsergebnis? Andi: Ja, es hat einen Schnitt gegeben: bezüglich der Persönlichkeiten. Aber von der Leistung her sehe ich da weniger ein Problem. Viele "Junge" waren auch in den letzten Jahren schon vorne dabei. Ob das Mannschaftsergebnis künftig besser oder schlechter ausfallen wird, ist für mich daher nicht absehbar. Das Potential, die guten Ergebnisse zu halten oder gar zu übertreffen, ist auf jeden Fall da. Was bisher noch fehlt, ist die Konstante.
Wie ist die Stimmung derzeit im Team? Andi: Ich würde sagen die Stimmung ist zur Zeit wirklich gut. Natürlich ist es wie jedes Jahr, wenn der Winter näher rückt: die Trainer werden zunehmend nervöser. Aber das kennen wir schon.
Wie bewertest du den Konkurrenzkampf im deutschen Biathlonteam? Andi: Konkurrenz belebt das Geschäft. So ist es auch bei uns. Ich finde das aber gut, denn mich persönlich spornt es eher an, noch bessere Leistungen zu erbringen. Ich würde also sagen, die Konkurrenz im Team kann uns nur nach vorn bringen. Allerdings sollte an der Stelle auch einmal darauf hingewiesen werden, dass es für einen jungen Sportler wirklich schwierig ist, sich bei den Herren zu etablieren. Das war für mich auch sehr schwer, da eigentlich nie wirklich "ein Platz frei" war.
Was ist an dem ARD-Bericht von letzten Jahr dran, dass du dich nicht für das Trainingslager in Finnland abgemeldet hast und es so zu Gerüchten kam? Andi: Das war eine ziemlich unangenehme Sache für mich, als ich damit vor laufender Kamera konfrontiert wurde. Kurz gesagt ich und circa sechs andere Biathleten, welche in diesem Bericht nicht genannt wurden, warum auch immer, konnten sich auf der NADA Seite nicht einloggen, weil das Passwort nicht stimmte. Wir gingen aber davon aus, dass wir vom DSV aus abgemeldet waren. In einem Interview im Frühjahr habe ich bereits gesagt, dass ich weiß, dass die gesamte deutsche Mannschaft sauber ist. Es gibt nicht viele Mannschaften, die so hart und professionell trainieren wie die Deutschen. Außerdem stellt sich die gesamte Biathlonmannschaft für Blutplasma- oder Blutvolumen-Untersuchungen freiwillig zur Verfügung, um Blutdoping auszuschließen. Darüber berichtet das Fernsehen aber nicht!
Was war das bisher positivste sportliche Erlebnis in deinem Leben? Andi: Ich würde sagen, da gibt es einige. Meine Titel bei den Juniorenweltmeisterschaften zum Beispiel. Aber ich habe auch viele gute Platzierungen erzielen können, auf die ich sehr stolz bin, sowohl bei einzelnen Wettkämpfen, als auch im Gesamtweltcup. Es gibt viele, die hin und wieder erfolgreich sind, aber mein Ziel ist es, über diesen Grad hinauszugehen und mich dauerhaft zu etablieren.
Wie siehst du den Vize-WM-Titel aus deiner Sicht? Welche Emotionen hattest du, was hast du gedacht? Andi: Das war der allerwichtigste Titel in meiner bisherigen Karriere. Die Saison war bis dahin allgemein gut gelaufen, also kam der Titel nicht ganz überraschend. Ein wenig gehörte ich schon vorher mit zum Favoritenkreis. Für mich war die Situation an diesem Tag aber schon eine besondere, weil ich durch die verpasste Staffelchance schon enttäuscht war, und der Wettbewerb meine letzte Möglichkeit auf einen Titel bei dieser WM war. Als ich dann Vize-Weltmeister wurde, war das schon ein echtes Wechselbad der Gefühle. Die Enttäuschung über den Nicht-Einsatz bei der Staffel und dann der Titel. Insgesamt hat aber natürlich die Freude überwogen.
Hast du noch Erinnerungen an das Rennen selbst? Andi: Am Morgen war ich ziemlich müde, ich habe mich eigentlich nicht so gut gefühlt. Die Damen waren mit ihrem Wettkampf schon durch und waren bereits gegangen. Ich habe mich dann hingesetzt, und versucht mich zu konzentrieren und auf den Wettkampf zu fokussieren. Im Rennen selbst war ich in einem richtigen „Rauschzustand“. Die ersten Runden habe ich „überzogen“, dann musste ich mich richtig durchquälen. Ich habe einfach versucht mich dann aufs Schießen zu konzentrieren. Bis einen Kilometer vor dem Ziel war ich noch unsicher, ob ich das packen würde. Aber ich habe mich einfach weiter ganz auf mich und mein Rennen konzentriert. Und das hat funktioniert.
Welche Gefühle hattest du nach dem Zieleinlauf? Andi: Ich war total erleichtert. Und natürlich war das ein riesen Glücksgefühl. Aber nach dem Wettkampf geht der Stress eigentlich gleich weiter. Ich musste zu TV-Interviews, zur Dopingkontrolle und so weiter. Da hat man kaum Zeit über etwas nachzudenken.
Hast du in der Erfolgsaison im Vorfeld anders trainiert als sonst? Andi: Ich hatte einen anderen Trainingsaufbau, habe an den Intensitäten und der Belastung etwas verändert. Aber das ist im Prinzip jedes Jahr so. Ich lerne von Jahr zu Jahr dazu und versuche den optimalen Trainingsaufbau für mich zu finden.
Welche Auswirkungen auf deine jetzige Vorbereitung hat der Vize-WM-Titel aus der letzten Saison gehabt? Andi: Der Titel hat mir sehr viel Selbstvertrauen für die neue Saison gegeben. Aber ich weiß auch, dass alles stimmen muss, damit solche Platzierungen zu Stande kommen. Der Titel hat mich in meinen weiteren Trainingsaufbau erst einmal grundlegend bestätigt. Dennoch nutze ich jede Saison, um dazu zu lernen. Wo gibt es Verbesserung, was kann man noch anders machen? Der Grundtenor stimmt, das Potential nach oben ist vorhanden. Jetzt geht es an die Feinarbeit.
Wie motivierst du dich? Nimmst du spezielle Hilfe beim Thema "Motivation" an? Andi: Ja, ich arbeite auch auf mentaler Schiene sehr viel an mir. Die Psyche muss unbedingt mittrainiert werden und darf nicht vernachlässigt werden. Spezielle Hilfe nehme ich dafür nicht regelmäßig an, aber ich habe gelernt, mir bestimmte Mechanismen und Abläufe zurechtzulegen. Nach diesen Abläufen verfahre ich dann vor jedem Wettkampf, spreche mit mir selbst und verinnerliche so diese Abläufe. Diese Regelmäßigkeit hilft gegen die Aufregung und macht es mir möglich, mich besser auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das hat auch viel mit Übung und Training zu tun.
Wie viele Schüsse gibt ein Biathlet in seiner Vorbereitungszeit ab und wie viele Kilometer bringt er hinter sich? Andi: Ich würde schätzen in der Saisonvorbereitung gebe ich zwischen 8.000 und 10 000 Schüsse ab, trainiere 1.000 km zu Fuß, zwischen 3.500 und 4.000 km auf Skirollern und fahre circa 3.000 km Rad. Dazu kommt noch das Krafttraining.
Wie siehst du die gesamte Entwicklung im Biathlon? Andi: Ich hatte 2001 mein erstes Weltcup-Rennen. Seit dem ist der Hype um den Biathlon schon noch größer geworden. Aber ich sehe das als eine positive Entwicklung. Die Begeisterung bei den Wettkämpfen ist enorm, die Stimmung einfach super. Das motiviert einen zusätzlich. Das hat natürlich auch eine Kehrseite. Der Stress ist in den letzten Jahren gestiegen, genauso wie der Erwartungsdruck. Auch das Medieninteresse und die damit verbundene Zeit, die man aufbringen muss, haben zugenommen. Man hat einfach "Drum herum" viel mehr zu tun als früher.
Wird das "Drum herum" manchmal einfach zu viel und behindert dich in der Ausübung deines Sports? Andi: Ich würde sagen in Ruhpolding ist die Grenze überschritten worden. Wir Biathleten haben jede Woche drei Wettkämpfe, das ist mehr als in anderen Sportarten. Gleichzeitig müssen wir von einem Medien- oder Sponsorentermin zum nächsten. Es ist auch nicht böse gemeint, wenn versucht wird, die Athleten von solchen Events fernzuhalten. Man muss einfach bedenken, wie hoch alleine die Ansteckungsgefahr bei so vielen Leuten in einem einzigen VIP-Zelt ist. Durch die enorme körperliche Belastung sind wir Athleten natürlich auch anfällig für Erkältungskrankheiten usw.
Woher kommt deiner Meinung nach der Biathlon-Boom? Andi: Ich denke der stetig gewachsene Erfolg der Athleten hat den größten Anteil daran. Außerdem ist die Kombination aus Laufen und Schießen natürlich sehr interessant. Neue Wettkampfformen etablieren sich zu dem zunehmend. Das macht es für die Zuschauer noch interessanter.
Was hältst du von der „Mixed Staffel“? Andi: Ich finde die Mixed Staffel ist ein ernstzunehmender Wettkampf. Leider sind bisher nicht überall die Topleute gestartet. Ich finde das entwertet den Wettkampf etwas, aber man muss sehen, ob sich diese Wettkampfform etablieren kann und dann künftig auch mehr Zuspruch erhält.
Wie findest du Magdalena Neuner? Andi: Sie ist ein ganz nettes Mädel und sehr sympathisch. Ziemlich locker drauf, das gefällt mir. Und sie hat sich ihren Erfolg wirklich verdient, ich gönne ihn ihr von ganzem Herzen. Sie bremst niemanden aus und bringt konstant ihre Leistung.
Wie siehst du Michi Greis? Andi: Michi Greis ist für mich ein Trainingskollege und Zimmernachbar. Seine Leistungen sind ein echter Ansporn für mich. An ihm kann ich sehen, dass ich es auch schaffen kann. Insofern ist er eine gute Orientierung für mich.
Hast du irgendwelche Marotten oder Glücksbringer, die du bei jedem Wettkampf dabei hast? Andi: Ich habe ein bestimmtes Kontingent an Unterhosen, die ich immer zu Wettkämpfen anziehe (lacht). Aber einen richtigen Glücksbringer oder so habe ich nicht.
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